Die Energiewende beginnt vor Ort – auf den Dächern von Rathäusern, Kitas oder Sporthallen. Mit dem Bilanzstromkreis geht die Ortsgemeinde Otterstadt zusammen mit der Verbandsgemeinde Rheinauen einen innovativen Weg, um den selbst erzeugten Solarstrom möglichst effizient innerhalb der eigenen kommunalen Gebäude zu nutzen. Das Modell zeigt: Erneuerbare Energien sind nicht nur gut für das Klima, sondern können Kommunen auch unabhängiger von steigenden Strompreisen machen und langfristig Haushaltsmittel einsparen. Otterstadt kann damit Vorbild für viele Städte und Gemeinden in Rheinland-Pfalz sein. Diesen Ansatz hat auch die rheinland-pfälzische Landesregierung mit einem Innovationspreis im Rahmen des KIPKI-Innovationswettbewerbes gewürdigt.
Warum können Kommunen besonders von der Energiewende profitieren?
Kommunen verfügen über zahlreiche geeignete Dachflächen – etwa auf Schulen, Kitas, Sporthallen oder Verwaltungsgebäuden. Wird dort Strom aus Photovoltaik erzeugt, sinken nicht nur die CO₂-Emissionen, sondern auch die laufenden Energiekosten. Besonders wirtschaftlich wird der Betrieb dann, wenn der erzeugte Strom nicht zu vergleichsweise niedrigen Vergütungssätzen eingespeist, sondern möglichst vollständig selbst verbraucht wird. Gleichzeitig stärken Kommunen damit ihre regionale Wertschöpfung und machen sich unabhängiger von den Schwankungen am Energiemarkt. Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz empfiehlt deshalb, kommunale Liegenschaften stärker miteinander zu vernetzen und den Eigenverbrauch zu erhöhen.
Was ist ein Bilanzstromkreis?
Ein Bilanzstromkreis – häufig auch als „Energieregion oder Energiewabe“ bezeichnet – verbindet mehrere kommunale Stromerzeuger und Stromverbraucher virtuell miteinander. Der Strom muss dabei nicht über eine eigene Leitung zwischen den Gebäuden fließen. Stattdessen werden Erzeugung und Verbrauch bilanziell zusammengeführt. Es ist ein technisches Bilanz-Modell, was aber praktisch einen echten Mehrwert für ein effizientes und nachhaltiges Energiemanagement von Städten und Gemeinden bedeutet.
Erzeugt beispielsweise die Photovoltaikanlage auf einer Sporthalle mehr Strom als dort benötigt wird, kann dieser Überschuss bilanziell einem anderen kommunalen Gebäude – etwa dem Rathaus oder einer Kindertagesstätte – zugerechnet werden. Technische Voraussetzung sind intelligente Messsysteme mit registrierender Leistungsmessung sowie die Unterstützung des Konzepts durch den lokalen Energieversorger. Das Bilanzkreismanagement übernimmt dabei idealerweise der Energieversorger.
So ist Otterstadt vorgegangen:
Otterstadt entwickelte den Bilanzstromkreis gemeinsam mit den Stadtwerken Speyer und mit dem Klimaschutzmanagement der Verbandsgemeindeverwaltung Rheinauen. Geplant wurden zunächst Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden wie der Kindertagesstätte und der Schulturnhalle. Der dort erzeugte Strom soll künftig nicht nur vor Ort genutzt, sondern über einen kommunalen Bilanzkreis weiteren gemeindeeigenen Gebäuden zur Verfügung gestellt werden. Den Einstieg ermöglichten unter anderem Fördermittel aus dem Kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation (KIPKI), was unter dem damals grün-geführten Klimaschutzministerium Rheinland-Pfalz aufgesetzt wurde. Nach Angaben der Projektpartner können dadurch jährlich rund 54 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Was können andere Kommunen daraus lernen?
Das Beispiel Otterstadt zeigt, dass der Aufbau eines Bilanzstromkreises kein Großstadtprojekt sein muss. Wesentliche Schritte sind:
- geeignete kommunale Dachflächen und Stromverbraucher erfassen,
- Photovoltaikanlagen auf geeigneten Liegenschaften errichten,
- Lastprofile der kommunalen Gebäude analysieren,
- gemeinsam mit einem regionalen Energieversorger ein Bilanzkreismanagement aufbauen,
- intelligente Mess- und Steuerungstechnik installieren sowie
- Förderprogramme – beispielsweise des Landes – für Planung und Umsetzung nutzen.
Ein Gewinn für Haushalt und Klimaschutz
Mit dem Bilanzstromkreis nutzt Otterstadt künftig einen deutlich größeren Anteil des selbst erzeugten Solarstroms innerhalb der eigenen kommunalen Infrastruktur. Das reduziert den Zukauf von Netzstrom, senkt dauerhaft Energiekosten und macht die Gemeinde unabhängiger von steigenden Strompreisen. Gleichzeitig bleibt die Wertschöpfung vor Ort und die Investitionen in Photovoltaik werden wirtschaftlicher.
Das Klimaschutzmanagement der VG gemeinsam mit unserem Ersten VG-Beigeordneter Toni Krüger und unserem Beigeordneten von Otterstadt, Harald Endres, den Stadtwerken Speyer und weiteren Engagierten aus Ortsgemeinde und VG-Verwaltung haben dieses innovative Projekt maßgeblich vorangetrieben. Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass noch mehr Gemeinden vom Vorbild Otterstadts profitieren können.
Für uns GRÜNE ist klar: Genau solche innovativen Projekte zeigen, wie kommunaler Klimaschutz und solides Haushalten zusammenpassen. Wer heute in Erneuerbare Energien investiert und den erzeugten Strom intelligent nutzt, stärkt gleichzeitig den Klimaschutz, entlastet die kommunalen Finanzen und die regionale Wertschöpfung. Otterstadt beweist, dass die Energiewende ganz konkret vor Ort gelingt.
